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  Bahnhof
  Gelsenkirchen-Wattenscheid  
  erbaut 1867

Mo, 24. Mai 2021
Philip Ralph

Der Heimatbund Gelsenkirchen e.V. hat kürzlich die Unterschutzstellung des historischen Personenbahnhofgebäudes Gelsenkirchen-Wattenscheid als Denkmal beantragt. Das Gebäude wurde etwa 1867 errichtet und bis mindestens 1974 auf verschiedenste Weise genutzt. Nach Auskünften der Verwaltung in der Bezirksvertretung Süd soll das Gebäude niedergelegt werden.

Historischer Hintergrund

Die Historie des Bahnhofs „Gelsenkirchen-Wattenscheid“, genau an der heutigen Grenze, reflektiert die wechselvolle Geschichte der beiden Gemeinden.


Bild in Originalgröße

Der Bahnhof Gelsenkirchen-Wattenscheid wurde am 5. Dezember 1867 eröffnet.
Im Hintergrund die Schachtanlage Holland 1/2,
heute bekannt für den denkmalgeschützenden Doppelmalakowturm
und die schicke Gaststätte „Unverwechselbar“.

Damals gehörte Gelsenkirchen zu Wattenscheid...

Als der Bahnhof entstand, vor über 150 Jahren, war Wattenscheid ein bedeutender Ort, dessen Amtsbezirk sich von der Ruhr bis zur Emscher erstreckte – von Königssteele bis zur Braubauerschaft (heute GE-Bismarck). Nicht nur die Bauerschaft Ückendorf, sondern auch das damals kleine Dorf Gelsenkirchen gehörte zu Wattenscheid.

Zwanzig Jahre zuvor, als die erste Bahnlinie durch das heutige Ruhrgebiet gebaut wurde (die Köln-Mindener Eisenbahn), verlief sie unweit der 500 Seelen-Gemeinde Gelsenkirchen. An einem so unbedeutenden Ort sollte kein Bahnhof entstehen.

Nur auf Drängen der Lokalpolitik wurde 1847 der Bahnhof Gelsenkirchen doch noch eröffnet. Die Baukosten musste sogar der Gemeinderat aufbringen. Der Wattenscheider Amtmann beharrte darauf, der Bahnhof müsse Wattenscheid heißen – allerdings ohne Erfolg.

Im Jahre 1867 baute die Rheinische Eisenbahngesellschaft eine konkurrierende Strecke parallel zur Köln-Mindener. Am 5. Dezember 1867 wurde der Bahnhof eröffnet, damals unter dem Namen „Wattenscheid“. Der Amtmann hatte sich dieses Mal durchgesetzt.

Nur wenige Jahre später wurde dieser Bahnhof in „Gelsenkirchen-Wattenscheid“ umbenannt als infolge der rasanten Industrialisierung Gelsenkirchen weit mehr an Bedeutung gewann.

...später gehörte Wattenscheid zu Gelsenkirchen

Innerhalb der nächsten 20 Jahren wurde der Spieß umgedreht. Von 1885 bis 1926 gehörte Wattenscheid zum Landkreis Gelsenkirchen. 1903 wurde das Amt Ückendorf, in dem der Bahnhof lag, in die Stadt Gelsenkirchen eingemeindet.


Bild in Originalgröße

Der Eisenbahnbrücke am ehemaligen Bahnhof (hier eine Ansicht um 1930)
markiert heute die Grenze zwischen Gelsenkirchen und Wattenscheid.
Der Bahnhof selber sowie das ganze Bahnhofsgelände
und auch die Häuser der Straße „Am Bahnhof“
liegen alle noch innnerhalb Gelsenkirchen.

Das Gebäude wurde etwa 1867 errichtet und bis mindestens 1974 auf verschiedenste Weise genutzt. Hier ist zu ergänzen, dass zuletzt die Güterstrecke im Jahr 2009 stillgelegt wurde und seitdem hier kein Bahnverkehr mehr stattfindet.

Nach Durchsicht der städtischen Adressbücher konnten wir eine gastronomische Nutzung bis mindestens 1961 nachweisen, bis mindestens 1974 eine Wohnnutzung durch Bahnangestellte.